[Intro] [Ein Ticketdrucker gibt eine Wartemarke aus; das Klavier antwortet mit drei leisen Tönen.] Nummer hundertvier, bitte Schalter sieben. Der Raum ist derselbe, nur die Seiten sind geblieben. Draußen trocknet langsam Regen auf dem grauen Stein. Drinnen setzt sich unser Morgen in die nächste Reihe ein. [Verse 1] Neun Uhr zehn, die Plastikstühle stehen wieder akkurat. Auf dem Bildschirm läuft die Werbung für den digitalen Staat. Neumann trägt dasselbe Namensschild, der Rechner lädt heut schnell. Doch die Warteliste zeigt, wo Hilfe weiter fehlt. Mara hat den Wohnbescheid, befristet auf ein halbes Jahr. Jonas sucht noch eine Wohnung, Demirs Erhöhung bleibt bestehen. Helgas Zuschuss wird geprüft, Lea schläft nach ihrer Nacht. Keine Geschichte endet, weil sie einmal vorgebracht wird. [Hook] Die Zukunft zieht eine Nummer und sie wartet nicht allein. Neben ihr liegt unser Morgen zwischen Formular und Stein. Die Zukunft zieht eine Nummer, keiner weiß, wann sie erklingt. Doch wir bleiben in dem Raum, bis man die nächsten Namen bringt. Nicht geduldig bis zum Schweigen, nicht vor Wut schon blind. Wir erinnern jedes Kästchen, dass dahinter Menschen sind. [Verse 2] Mareks Brücke bleibt gesperrt, der Ersatzbus zieht im Kreis. Samirs Antrag liegt zur Prüfung, jede Prüfung braucht noch Zeit. Amir liefert seit dem Morgen, Ben beginnt die frühe Schicht. Auf dem Tisch liegt das Protokoll mit Datum und Gewicht. Es ist weder Sieg noch Wandel, weder Niederlage pur. Nur der Nachweis, dass die Stimmen durch die Glastür drangen. Ein kleiner schwarzer Eingangsstempel unter großem Text. Kein Abschluss, nur ein Anfang, dessen Richtung offenbleibt. [Chorus] Die Zukunft zieht eine Nummer und sie wartet nicht allein. Neben ihr liegt unser Morgen zwischen Formular und Stein. Die Zukunft zieht eine Nummer, keiner weiß, wann sie erklingt. Doch wir bleiben in dem Raum, bis man die nächsten Namen bringt. Nicht geduldig bis zum Schweigen, nicht vor Wut schon blind. Wir erinnern jedes Kästchen, dass dahinter Menschen sind. [Verse 3] Eine junge Mutter setzt sich mit zwei Kindern neben mich. Drei verschiedene Briefe, keiner sagt ihr klar, was gilt. Demir zeigt ihr die Beratung, schreibt die Etage auf den Rand. Breuer bringt Samir Unterlagen, die noch gestern bei ihm lagen. Neumann erklärt Mara ruhig ihren nächsten kleinen Schritt. Helga stellt für Lea Kaffee in den Schrank der Nachtschicht mit. Marek schickt das Lego-Foto in die kleine Nachrichtengruppe. Unter dem Bild steht nur: „Sie hält.“ Dann bleibt der Bildschirm ruhig. [Interlude] [Ticketdrucker, weiche Snare und Klavier bilden einen gemeinsamen Puls.] Nummer hundertfünf. Ein Schritt nach vorn. Nummer hundertsechs. Ein neuer Zorn. Nummer hundertsieben. Ein Name bleibt. Nummer hundertacht. Ein Satz, der weiterschreibt. [Bridge] Die Verbindung ist nicht sauber, nicht harmonisch, nicht komplett. Manche streiten über Mittel, manches Wort bleibt ungerecht. Solidarität heißt nicht, dass alle gleiche Antworten geben. Sie heißt, fremde offene Fragen nicht aus dem Blick zu schieben. [Final Chorus] Die Zukunft zieht eine Nummer und sie wartet nicht allein. Neben ihr liegt unser Morgen zwischen Formular und Stein. Die Zukunft zieht eine Nummer, keiner weiß, wann sie erklingt. Doch wir bleiben in dem Raum, bis man die nächsten Namen bringt. Nicht geduldig bis zum Schweigen, nicht vor Wut schon blind. Wir erinnern jedes Kästchen, dass dahinter Menschen sind. [Outro] Neumann ruft die nächste Nummer, eine ältere Frau steht auf. Demir hält ihr kurz die Tür, dann nimmt der Morgen seinen Lauf. Draußen ist der Asphalt heller, doch die Risse bleiben steh'n. Das Klavier hebt seine drei Töne zum ersten Mal nach oben an. Berlin brennt noch immer leise, aber nicht mehr ungeseh'n.